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16. Januar 2012

Tierfabrik geplant - wat nu?

Expertengespräch und Vernetzungstreffen

Immissionsschutz, Baurecht, Tierwohl, multiresistente Keime, gravierende Auswirkungen auf die ländlichen Strukturen - die zunehmende Intensivierung der Tierhaltung wirft eine Reihe von Fragen und Problemen auf.  Unsere Veranstaltung "Tierfabrik geplant- wat nu? -Bauernhöfe statt Agrarindustrie" rief am 10. Januar 2012 etwa 170 Gäste ins Landeshaus. Das zeigt: dieses Thema brennt auch in Schleswig-Hostein vielen unter den Nägeln.

TierfabrikVA Saal

Zunächst gab der Berliner Rechtsanwalt Ulrich Werner Einblick in das Baurecht und zeigte auf, welche Möglichkeiten Bürgerinitiativen haben, rechtlich gegen geplante Massentierhaltungsanlagen vorzugehen. Eckehard Niemannn, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft im bundesweiten Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken", stellte dar, was unter Agrarindustrie zu verstehen ist. Als Grenzen zwischen bäuerlicher und industrieller Landwirtschaft nannte Niemann die Tierzahlen, ab denen laut Baurecht eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden muss. Liegen die Tierzahlen darunter, bilden sich aus seiner Erfahrung auch keine Bürgerinitativen, da es sich dabei eher um mittelständische Betriebsformen handelt.

Stefan Johnigk, PROVIEH, unterstrich die Notwendigkeit für die Tiere, ihre angeborenen Verhaltensweisen auszuleben. Dieses Tierbedürfnis kann ab bestimmten Tierintensitäten nicht mehr ausgelebt werden. Über Zertifizierungen könnte mehr Geld für Produkte aus artgerechter Tierhaltung verdient werden. In der Hauptverantwortung sieht Johnigk hierbei klar den Lebensmitteleinzelhandel, der durch die Auswahl der angebotenen Produkte im Regal auf die Haltungsbedingungen wirkt.

Nachdem Udo Werner, Mitarbeiter des Büros Ostendorff, MdB, auf baurechtliche Details wie Immissionsschutz eingegangen war, zeigte die Ärztin Marret Bohn, MdL, die Gefahren für die menschliche Gesundheit durch mulitresitente Keime auf. Die Anzahl von PatientInnen mit Antibiotikaresistenz nimmt in Deutschland seit Jahren zu, bei 15 000 Personen mit tödlichem Verlauf. Eine Ursache dafür kann, neben dem teils zu frühen, zu kurzen oder zu gering dosierten Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin, auch der hohe Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sein. Die Massentierhaltung ist daher eine potentielle Gefahrenquelle für die Ausbreitung und Übertragung von multiresistenten Keimen.

Den Abschluss bildete Sven Koschinski von der Bürgerinitative Stocksee, der für ein Moratorium bei der Genehmigung von großen Tierhaltungsanlagen warb. Bereits am selben Abend gründete sich eine Landesgruppe der Initiative Bauernhöfe statt Agrarindustrie zum Zweck, diese und weitere gemeinsame Aktionen durchzuführen, und konnte auf Anhieb viele UnterstützerInnen gewinnen.

Weiterführende Links:

Handreichung von Ulrich Werner: Was können Kommunen, Bürgerinitiativen und Verbände rechtlich tun?

Antrag für eine artgerechte Nutztierhaltung

Argu-Hilfe Massentierhaltung 1

Argu-Hilfe Massentierhaltung 2

Vortrag von Marret Bohn "Risiken durch resistente Keime"

 

Zusätzliche Information